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Kochbuch online lesen

Vorwort

"Papa lecker kocht" - das war eine Zeit lang eine Art geflügeltes Wort in unserer damals noch jungen Familie. Es war die Art unserer seinerzeit noch sehr kleinen Tochter Laura, ihr Behagen darüber auszudrücken, dass ihr Vater, hauptzuständig für kulinarische Belange, seine Aufgabe einmal mehr zur Zufriedenheit erledigt hatte.

So etwas spornt an, und es hat sicher dazu beigetragen, dass mir der Spaß am Kochen auch dann nicht vergangen ist, als Jahre später die Notwendigkeit einer radikalen Abkehr von einigen lieb gewordenen Eßgewohnheiten deutlich wurde.

Dieses Buch wendet sich an all jene, die selbst, oder deren Kinder eine Fehlfunktion des Stoffwechsels aufweisen, die heute meines Wissens korrekt mit "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom" bezeichnet wird und landläufig wohl eher als "Hyperaktivität" bekannt ist. Ich kann und will dieses Thema nur einseitig und unwissenschaftlich angehen, nämlich unter dem Gesichtspunkt einer angepassten Ernährung. Diese allein wird das Problem nicht immer lösen, aber aus meiner subjektiven Erfahrung möchte ich behaupten, dass es in manchen Fällen ohne sie auch nicht zu lösen ist.

Das Phänomen ist in der Literatur hinlänglich beschrieben. Denen, die sich interessehalber oder gezwungenermaßen mit dem Thema beschäftigen, werden die Berichte von Betroffenen, die einschlägigen Verhaltensmaßregeln, die Kontaktadressen von Selbsthilfevereinen und die Möglichkeiten medikamentöser Hilfestellung bekannt sein. Die -zigste Neuauflage der Beschreibung einer Leidensgeschichte wird der Leser daher hier nicht finden. Laura, inzwischen fünfzehn Jahre alt, liest für ihr Leben gerne Bücher, also wird sie über kurz oder lang auch an diesem auskommen. Wahrscheinlich wäre es ihr nicht recht, unsere unangenehmsten Erfahrungen hier veröffentlicht zu sehen. Es sollte reichen, wenn ich sage, dass wir nach eigener Erfahrung jedes denkbare Symptom für möglich und jeden Grad der Verzweifelung der Mitbetroffenen für berechtigt halten.

Die zentrale Bedeutung einer "richtigen" Ernährung war zu Beginn unserer Auseinandersetzung mit dem Thema, nämlich Ende 1999 noch eher gängige Lehrmeinung als heute. Das scheint sich ein wenig verändert zu haben. Soweit ich die Diskussion über mehr oder weniger gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse verfolgt habe, herrscht heute die Meinung vor, daß ein "echtes" ADS - Syndrom sich durch wie auch immer geartete Diäten nicht beeinflussen lässt. Schon gar nicht soll eine Diät eine medikamentöse Behandlung mit Ritalin oder verwandten Präparaten ersetzen können.

Verfolgt man die diversen Diskussionsforen im Internet, so entsteht der Eindruck, daß gerade über letztere Frage zwischen betroffenen Eltern geradezu ein Kriegszustand besteht. Diät - Befürworter und Ritalin - Verteufler liefern sich verbale Schlachten mit denen, die ihr Problem glücklicherweise mit Hilfe einer gut dosierten medikamentösen Einstellung halbwegs in den Griff bekommen haben, nachdem alle Ernährungsumstellungen fruchtlos geblieben waren. Letztere argumentieren, wenn man Erfolg mit einer Diät gehabt habe, dann liege eben nicht wirklich ein ADS - Syndrom vor, sondern beispielsweise eine Allergie, die dieselben Symptome mit sich bringe und deshalb fehlgedeutet worden sei.

Es sind aber nun einmal diese Symptome, die betroffenen Eltern und Kindern zum Problem mit oft existentiellen Auswirkungen werden. Wenn es zutrifft, daß verschiedene körperliche Ursachen (oder vielleicht sogar deren Kombination?) Auslöser der Symptome sein können, dann ist es doch zwingend, beide Behandlungsalternativen in Betracht zu ziehen. Die Frage ist dann nur noch, ob man sie einfach nacheinander "durchprobiert" oder ob man wirklich versuchen will, solange diagnostizieren zu lassen, bis man glaubt, die Ursache definitiv festgestellt zu haben.

Ob Letzteres überhaupt möglich ist, d.h., ob man die Ursachen überhaupt exakt abgrenzen kann, darf bezweifelt werden. Mir sind im Laufe der Zeit eigentlich schon alle denkbaren Konstellationen bekannt geworden:

  • Fälle, in denen eine Diät überaus erfolgreich war, ebenso wie jene, in denen die Ernährungsumstellung überhaupt keinen Effekt hatte.
  • Fälle, in denen mit medikamentöser Unterstützung scheinbar hoffnungslose Situationen auf annäherndes "Normalniveau" gebracht werden konnten.
  • Und interessanterweise auch solche Fälle, in denen eine Ernährungsumstellung alleine zwar schon zu deutlichen Verbesserungen geführt hat, aber erst die Kombination mit medikamentöser Behandlung ausreichend Stabilität beispielsweise auch für dauerhaften schulischen Erfolg brachte.

Aus diesen Erkenntnissen lässt sich eigentlich nur die Empfehlung ableiten, einerseits den Medikamenteneinsatz als möglicherweise notwendig in Betracht zu ziehen, und keinesfalls als "unverantwortlich" zu verteufeln, andererseits aber unbedingt einen konsequenten Diätversuch zu unternehmen. Dass dieser im Erfolgsfall die sanftere Methode darstellt, dürfte wohl unstrittig sein.

Wie schon erwähnt, gibt es bisweilen Fälle, in denen schlicht akzeptiert werden muß, daß die Diät - Alternative erfolglos ausprobiert wurde. Berichtet jemand von einer solchen Erfahrung, so habe ich es mir allerdings zur Gewohnheit gemacht, ein paar gezielte Fragen zu den gemiedenen Lebensmitteln zu stellen und leider kaum jemanden gefunden, der wirklich so konsequent war, wie es meiner Meinung nach für den Erfolg erforderlich ist. Man sollte die Diät schon sehr ernst nehmen und, vor allem zu Beginn, äußerst konsequent durchhalten.

Was genau auf die Liste "bedingungslos verboten" zu setzen ist, kann man aus gängigen Ernährungsempfehlungen zum Thema entnehmen. Uns hat seinerzeit der Kinderarzt mit entsprechenden Listen versorgt, deren "Essenz" sich im nächsten Kapitel findet. Natürlich kann man dabei zu jedem einzelnen Posten die Frage nach dem "warum?" stellen. In Ermangelung der notwendigen lebensmittelchemischen Kenntnisse haben wir das kaum getan, uns stattdessen um eine konsequente Umsetzung gekümmert und uns gefreut, daß es wirkt.

Der Eindruck, der sich beim Studium der Ernährungsempfehlungen dem schockierten Leser aufdrängt, ist der einer entbehrungsreichen, von Verzicht geprägten Diät, von einem trostlosen (Kinder) - Leben ohne Pommes - Frites, Würstchen, Hamburger, Eiscreme, Schokolade, Zuckerguß, Bonbons und Milch, um nur die hervorstechendsten Punkte einer langen Verbotsliste zu nennen.

Um es vorwegzunehmen: Laura verzichtet auf keine der oben genannten Köstlichkeiten! Dafür verzichtet der Familienkoch auf ein wenig Freizeit und die Haushaltskasse auf ein paar Euro, die man sonst - vielleicht - für andere Dinge übrig hätte. Zumindest in unserem Fall (den man möglicherweise nicht uneingeschränkt verallgemeinern kann) lässt sich mit viel Phantasie, einigem Arbeitsaufwand und etwas höherem Budget alles auf die Beine stellen, was das Kinderherz begehrt. Bisweilen entstehen dabei Kreationen, die ernsthaft daran zweifeln lassen, ob man es statt einer Einschränkung nicht eher mit einer Bereicherung der Ernährung zu tun hat, nämlich immer dann, wenn man etwas besonders Gutes zuwege gebracht hat, das man "ohne Not" so nie zubereitet hätte.

Zu solcher Kreativität zu ermutigen, Anstöße zu geben, wie man auch kleine Genießer dazu bringt, ihren Ernährungs - Notwendigkeiten von selbst, und ohne ständiges Verzichtsgefühl konsequent Rechnung zu tragen, das war die Triebfeder beim Schreiben dieses Buches. Erfolgreich kann das nur sein, wenn es auch gelingt, den eingangs erwähnten Spaß am Kochen im Allgemeinen zu fördern oder gar zu wecken, den Wert einer aus hochwertigen Zutaten fachmännisch zubereiteten und idealerweise im Familienkreis gemeinsam als kleines Ereignis genossenen Mahlzeit in Erinnerung zu rufen.

Gerade Letzteres ist, mit Regelmäßigkeit praktiziert, im Übrigen ein wesentlicher Punkt in den Verhaltensregeln, die man sich neben der Ernährungsumstellung zu Eigen machen sollte, und die ich nur an dieser Stelle einmal am Rande erwähnen möchte:

Das Aufstellen und möglichst konsequente Einhalten von klaren Regelungen über Dinge wie Ordnung, Schule, Hausaufgaben, Spielen, Schlafen bringt eine Struktur in den Tagesablauf und trägt erheblich zu einer besseren Orientierung bei. Die bei Kindern im allgemeinen noch unterentwickelte Fähigkeit, sich selbst zu organisieren ist bei den Betroffenen besonders förderungsbedürftig. Hier verlässlich wiederkehrende Abläufe zu schaffen hilft enorm und gerade feste "Mahl - Zeiten" sollten die für alle erfreulichen Fixpunkte in dieser Struktur sein.

Um dabei Eintönigkeit und Langeweile zu vermeiden bedarf es einer gehörigen Portion der oben genannten Kreativität. Ohne Spaß an der Sache wird das Ganze wohl nicht funktionieren. Dieses Buch will daher zwangsläufig nicht trockene Diätanweisung sein, sondern auch von der Freude am Kochen und Essen handeln, sich mit einigen Feinheiten des Küchenhandwerks befassen und Appetit machen.

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